Babys Signale richtig deuten

Ein lächelndes Baby zeigt erste Zähne

    Ein Baby und seine Eltern beherrschen das perfekt. Auch wenn es noch eine ganze Weile dauern wird, bis die Kleinen das erste Mal „Mama“ oder „Papa“ zu sagen versuchen – schon Babys zeigen durch ihre Mimik und ihre Gestik, ob sie sich wohl fühlen, ob sie Hunger haben oder gerade müde sind. Umgekehrt haben auch die Eltern feine Antennen für ihr Kleines, nehmen jede seiner Regungen und Stimmungen wahr.

    Verstehen ohne Worte

    Am Anfang, in den ersten Tagen und Wochen nach der Geburt, sind viele Eltern noch unsicher. Es fällt ihnen schwer, das Mienenspiel und die Körpersprache ihres Kindes zu verstehen. „Was will es denn bloß?“, fragen sie sich, wenn ihr Baby wieder einmal (scheinbar) untröstlich weint. Aber das ist völlig normal. In den ersten Wochen ist die Mimik eines Neugeborenen noch nicht so ausgeprägt und die Eltern müssen ihr Kleines erst richtig kennen lernen.

    „Außerdem können hinter dem Weinen alle möglichen Gefühle und Bedürfnisse stecken“, erklärt die Verhaltensbiologin Dr. Gabriele Haug-Schnabel. Deshalb ist es am Anfang so schwierig, den wirklichen Grund herauszufinden. Keine Sorge: Wenn Eltern genau hinschauen, werden sie schon bald die ersten leiseren Signale für Hunger, Müdigkeit, Angst oder Enttäuschung verstehen und darauf eingehen können.

    Der Dialog macht klug

    Das erste wichtige Etappenziel dabei erreichen sie nach drei, vier Monaten. Dann funken und empfangen Eltern und Kinder die „Grundgefühle“ auf der gleichen Wellenlänge. Auf dem Weg dahin haben sie sich Schritt für Schritt aufeinander eingespielt.

    Das Erfolgsrezept heißt „Spiegeln„: Ohne viel darüber nachzudenken, oft sogar ohne es selbst zu merken, ahmen Erwachsene das Mienenspiel von Kindern nach, lächeln, reißen den Mund auf, runzeln ihre Stirn. Das Spiegeln beschert sowohl den Eltern als auch den Kindern Lernfortschritte:

    • Die Eltern können mit der Zeit die Gefühle der Kleinen immer besser nachempfinden und angemessen darauf reagieren. Umso seltener kommen sie in die Verlegenheit, ein weinendes Baby trösten zu müssen.
    • Auch das Baby lernt, sich selbst besser zu verstehen. Verhaltensforscher haben bewiesen, dass diese Kinder später im Trotzalter besser mit ihren Gefühlen und Launen umgehen können.
    • Allerdings: Wenn Eltern die Gefühle ihres Babys nicht teilen, sich von seiner Begeisterung über das Quaken des Plastik-Froschs nicht anstecken lassen oder gar über seine drollige angeekelte Miene beim Schlucken einer bitteren Medizin lachen, dann drohen sein Gefühlsleben und sein Mienenspiel bald zu verarmen. Der Widerspruch zwischen dem eigenen Empfinden und dem, was die Erwachsenen spiegeln, verwirrt es.
    • Auch dürfen die Eltern negative Gefühle ihres Babys wie Angst oder Traurigkeit nicht einfach übersehen. Denn dann steigern sich Babys nur noch mehr in ihre Wut und ihre Traurigkeit hinein. Aber Eltern können beruhigt sein, sie treten ganz intuitiv mit ihrem Baby in Dialog.
    • Die Grundgefühle, die Babys schon nach wenigen Wochen unmissverständlich ausdrücken, verästeln und verzweigen sich immer vielfältiger. Ab und zu können Eltern aus ihren Mienen auch Gefühle herauslesen, die sie anfangs noch nicht kannten, zum Beispiel Langeweile und Schmollen. Darin zeigt sich allerdings schon ein neuer Meilenstein: Kurz nach dem ersten Geburtstag fangen Kinder an, ihre Gefühle und ihren Gesichtsausdruck gezielt einzusetzen, um Erwachsene um den Finger zu wickeln. Babys können das noch nicht. Ihre Augen sagen immer die Wahrheit.

    geschrieben von: Leben & Erziehen

    Foto: © Svetlana Fedoseeva- Fotolia.com

    Kategorien: Babys Entwicklung

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