Das Zweite kommt – die richtige Vorbereitung

Ein beleidigtes Kind steht vor einer schwangeren Frau

    Dass Kinder eifersüchtig reagieren, wenn das Zweite zur Welt kommt, ist ganz normal. Bis zur Geburt des Bruders oder der Schwester konnten sie sich der ganzen Liebe ihrer Eltern sicher sein. Jetzt müssen sie die Zuwendung und Aufmerksamkeit der Eltern mit einem Geschwisterchen teilen. Und in den Augen von Kindern bleibt nicht mal die Hälfte davon übrig.

    Das Baby, das gestillt, gewickelt und getröstet werden will, fordert Mutter und Vater fast ständig. Die Älteren fühlen sich entthront, zurückgesetzt, haben Angst, die Liebe der Eltern zu verlieren. Deshalb wollen sie umso stärker spüren, dass Mama und Papa sie noch genauso mögen wie vorher.

    Ich bekomme ein Geschwisterchen

    Eltern können Kindern die Erfahrung von Eifersucht zwar nicht ersparen, aber ihnen doch helfen, damit besser klar zu kommen. Zehn wichtige Tipps:

    1. Wie sagen wir’s unserem Kind?

    Sie wollen die freudige Nachricht allen mitteilen, wollen Ihrer Familie und Ihren Freunden möglichst bald erzählen, dass Sie wieder ein Baby erwarten? Dann darf Ihr Kind das auch erfahren. Sonst hat es das Gefühl, ausgeschlossen zu sein. Auf keinen Fall sollten Kinder über Dritte hören, dass die Familie größer wird.

    Wenn Sie dagegen nur wenigen vertrauten Menschen von der Schwangerschaft erzählen, gilt als Regel: „Je jünger das Kind, desto später braucht es zu erfahren, dass ein Geschwisterchen unterwegs ist“, rät Buch-Autorin Stefanie Schaeffler. Einjährige werden den wachsenden Bauch noch nicht bemerken, während Dreijährige Veränderungen genau wahrnehmen. Kinder bis zu drei Jahren brauchen noch keine großen Erklärungen. Es reicht, wenn Eltern ihnen sagen: „Das Baby wächst im Bauch der Mama.“

    2. Keine falschen Erwartungen!

    Vielleicht wird Ihr Kind zurückhaltend reagieren, wenn Sie ihm erzählen, dass es ein Geschwisterchen bekommt. Es hat einfach noch keine Vorstellung davon, wie das Leben mit Bruder oder Schwester sein wird. Das bedeutet aber nicht, dass es sein Geschwisterchen später ablehnt. Am besten wecken Sie keine zu großen Hoffnungen. Dann ist Ihr Kind später nicht enttäuscht, wenn es merkt, wie viel Arbeit ein Säugling macht.

    3. War ich auch mal so winzig?

    Schon in der Schwangerschaft können Sie Ihr Kind einbeziehen: gemeinsam Babywäsche sortieren, die Tochter oder den Sohn über den Bauch streichen lassen, vielleicht sogar zusammen nach einem Namen suchen. Zeigen Sie Ihrem Kind Fotos aus seiner eigenen Babyzeit. Dann versteht es besser, wie hilflos ein Neugeborenes noch ist. Auch Bilderbücher und Besuche bei Freunden mit einem Säugling können größere Geschwister auf das neue Leben mit Baby vorbereiten. Dabei helfen auch die Geschwisterschulen (siehe unten).

    Wenn das Baby da ist

     4. Geschenke mal zwei, bitte

    Wenn das Baby auf der Welt ist und Verwandte oder Freunde zu Besuch kommen, gilt der erste Blick meist dem Baby. Die Älteren fühlen sich dann zurückgesetzt und reagieren umso eifersüchtiger. Gut, wenn Besucher so taktvoll sind, zuerst dem Größeren zum Geschwisterchen zu gratulieren, und auch ihm ein kleines Geschenk mitbringen.

    5. Das Baby nicht in Watte packen

    „Sei vorsichtig mit dem Baby! – Aber tu ihm nicht weh! – Jetzt sei doch mal leise, dein Bruder schläft!“ Wer so streng ermahnt wird, hat schon keine Lust mehr, sich um das Baby zu kümmern und reagiert trotzig. Säuglinge sind nicht aus Zucker und ein ungestümes Umarmen oder ein herzhaftes Küsschen durch Bruder oder Schwester halten sie gut aus – sofern die Eltern im Raum sind und einen Blick darauf haben.

    Kleinkinder lassen sie mit dem Neugeborenen besser noch nicht allein. Zweijährige sind oft noch so ungeschickt, dass sie dem Baby aus Versehen wehtun können. Übrigens mögen es Säuglinge, wenn um sie herum viel Trubel ist. Die Eltern und Geschwister müssen also nicht besonders leise sein.

    6. Wir sind eine Familie

    Je stärker Eltern ihr Kind in die Babypflege einbeziehen, desto mehr wächst das Verantwortungsgefühl fürs Geschwisterchen. Kleine Kinder können beim Wickeln beispielsweise die Windel reichen. „Eltern machen so aus Konkurrenz ein Miteinander und Kinder spüren: Wir sind ein Ganzes als Familie“, sagt der Kölner Kinderpsychologe Ulrich Schmitz. Manchmal sind ältere Geschwister genervt, weil das Baby so viel weint. Dann können Eltern ihnen erklären, dass ein Baby nur durch Weinen auf sich aufmerksam machen kann: „Wahrscheinlich will es uns zeigen, dass es Hunger hat.“

    Eine heikle Situation ist das Stillen. Mutter und Baby kommen sich dabei sehr nahe und ältere Geschwister fühlen sich ausgeschlossen. Das lässt sich diplomatisch umgehen, wenn die Mutter ihr Älteres dazu einlädt, sich zu ihr zu setzen, mit ihr zu kuscheln oder ein Buch anzuschauen. Oder das Kind holt seine Puppe und spielt Stillen.

    7. Mal wieder Mittelpunkt sein

    Bevor das Geschwisterchen zur Welt kam, war das Größere Mittelpunkt der Familie. Dieser Platz wird ihm jetzt durch das Baby streitig gemacht. Doch die Eltern können ihrem Kind immer mal wieder das Gefühl geben, die Hauptperson zu sein: indem sie intensiv Zeit mit ihrem Älteren allein verbringen, zum Beispiel mit Lesen, Toben und Spielen.

    Das geht am besten, wenn beide Elternteile zu Hause sind, damit einer sich ganz dem Großen widmen kann. Dabei kommt es nicht darauf an, möglichst viel Zeit miteinander zu verbringen. Kinder freuen sich schon über eine Viertelstunde, die ihnen allein gehört. Entscheidend ist, dass es diese exklusiven Zeiten regelmäßig gibt, möglichst einmal am Tag.

    Die richtige Kommunikation

    8. Da lässt sich drüber reden!

    Wenn Kinder eifersüchtig sind, denken sie oft: Dieses Gefühl ist verboten. Eltern können sie ruhig darauf ansprechen und damit den Druck von ihnen nehmen: „Du bist bestimmt manchmal traurig, dass ich nicht mehr so viel Zeit für dich habe.“ Kinder wissen dann, dass auch negative Gefühle gegenüber dem Baby erlaubt und ganz normal sind.

    9. Gelassen bleiben statt schimpfen

    Und wenn das Kind doch einmal aggressiv reagiert und das Baby kratzt – so wie Lotte? Kinderpsychologe Ulrich Schmitz rät, ruhig zu bleiben: „Sonst lastet nur noch mehr Druck auf dem Kind.“ Und die Situation spitzt sich noch weiter zu. Er empfiehlt Eltern, klar mit dem Großen zu reden und ihm zu sagen, dass so etwas nicht erlaubt ist. Eine einleuchtende Begründung: „Du willst doch auch nicht, dass die älteren Kinder auf dem Spielplatz dich ärgern und dir wehtun.“

    10. Noch einmal Baby sein

    „Du bist doch schon groß!“ – Das kannst du schon!“ Klar, Kinder wünschen sich eigentlich, groß zu sein. Doch Babys bekommen mehr Liebe und Aufmerksamkeit als Große. Die logische Konsequenz: Ich spiele Baby und Mama kümmert sich mehr um mich.

    Die Älteren fangen wieder an zu krabbeln, reden in Babysprache oder verlangen nach dem Fläschchen. Am besten lassen Eltern sich für eine Weile auf das Spiel ein. Die Kleinen merken schnell, dass es ganz schön langweilig sein kann, den ganzen Tag lang Baby zu spielen.

    Eine Schule für Geschwister

    Große Schwestern oder Brüder lernen in Kursen spielerisch, wie viel Pflege ein Baby braucht. Das soll ihr Verständnis wecken und der Eifersucht vorbeugen. In vielen Städten finden in den Entbindungskliniken Geschwister-Kurse statt, in denen die Kleinen auf das neue Familienmitglied vorbereitet werden. Fragen Sie einfach in den Kliniken nach!

    geschrieben von: Leben & erziehen

    Foto oben von: © Oksana Kuzmina – Fotolia.com

    Kategorien: Babys Entwicklung

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