Der Übergang zur festen Nahrung

Babys erleben den Übergang zur festen Nahrung sehr unterschiedlich.

    In unseren Breiten sind die lokal üblichen Nahrungsmittel für Babys zumeist geriebenes Obst oder gekochtes Gemüse als Brei, das löffelweise und über Wochen in langsam steigenden Mengen gegeben wird. Welche Obst- und Gemüsesorten es nun sein sollen, läßt sich nicht endgültig klären. Traditionell sind es Karotten, Kartoffeln und Äpfel.

    Die Babynahrungsindustrie, aber auch Babynahrungskochbücher, machen viel Aufhebens von einer abwechslungsreichen Kost. Diese ist aber für Säuglinge, deren hauptsächliche Nahrungsquelle die Mutterbrust ist, absolut unnötig. Auch mit Kuhmilch angerührte Breie oder Extra-Milchfläschchen sind dann überflüssig.

    Was Sie dem Baby geben können und was nicht

    Das Kind kann gleich lernen, Wasser, Tee oder verdünnten Saft aus einem Becher zu trinken. Vor allem Frauen, die die praktischen Vorteile des Stillens zu schätzen gelernt haben, werden sich freuen, wenn sie jetzt nicht doch noch mit Flaschen hantieren müssen. Besonders in allergiegefährdeten Familien sollten in der Übergangszeit hochpotente Allergene wie Eier, Fisch, Nüsse, aber auch Kuhmilchprodukte vermieden werden.

    Gekochtes Getreide kann ab dem 8. Monat beigefügt werden. Sollten sich bei Getreideprodukten allergische Reaktionen zeigen, muß untersucht werden, ob das Kind an Zöliakie leidet, einer Unverträglichkeit von Gluten, dem Klebereiweiß des Getreides.

    Damit die Milchproduktion nicht zu rasch zurückgeht, sollte jeweils zuerst gestillt und dann dazugefüttert werden. Beim umgekehrten Vorgehen würde das Kind die Brust womöglich nicht mehr ausreichen stimulieren, weil es schon zu sehr gesättigt ist.

    Der Übergang zur festen Nahrung verläuft bei jedem Kind anders. Einige Kinder weigern sich, Karottenbrei zu essen und sind nur mit Broccoli zufrieden. Einige wollen ganz viel davon, andere schlucken noch nach Wochen kaum mehr als zwei Löffel voll herunter. Andere interessieren die neuen Speisen erst einmal überhaupt nicht. Hierzu kann ich nur sagen: Zufüttern nach 4 bis 6 Monaten ausschließlichen Stillens ist kein Muß.

    Studien über Stillen wurden falsch durchgeführt

    Ein norwegischer Pädiater namens Börresen hat die wissenschaftlichen Arbeiten, auf denen die Empfehlung der WHO und UNICEF, des US-amerikanischen und des deutschen Kinderärzteverbandes beruhen, genauer durchgesehen und festgestellt, dass sie nicht immer ganz korrekt durchgeführt wurden (Börresen 1995).

    Die untersuchten Kinder erhielten bereits zusätzliche Nahrung, was als Indiz genommen wurde, daß die Muttermilch ihren Energiebedarf nicht mehr decken konnte. Wie wir aber wissen, kann die Zufütterung erst dazu geführt haben, dass die Milchmenge zurückging und dann den Bedarf des Kindes nicht mehr allein decken konnte.

    Der Schluss, dass Muttermilch nach 4 bis 6 Monaten nicht mehr genug Energie bzw. Kalorien liefere, hätte daher nicht daraus gezogen werden dürfen. Vielmehr führt Börresen Studien an, bei denen sogar 10 und 12 Monate alte ausschließlich gestillte Kinder weder Zeichen von Kalorien-, Eiweiß- noch Eisenmangel aufwiesen. Woraus er den Schluß zieht, daß die heutigen Empfehlungen noch einmal kritisch überdacht werden sollten.

    Die Babynahrungsindustrie, deren hauptsächliches Interesse ein großer Absatzmarkt ist, empfiehlt ihre Säfte und Breiprodukte aus ernährungsphysiologischer Sicht bei weitem zu früh. Ein voll und ausschließlich gestilltes Kind braucht keinen Saft, Tee oder sonstigen Zusatz, schon gar nicht vor dem 7. Lebensmonat und danach auch noch nicht dringend.

    Abstillen als Prozess

    Beim Abstillen handelt es sich um einen Prozess, in dessen Verlauf sich das Kind langsam von der Brust der Mutter als Nahrungsquelle, wie auch als Ort des Trostes und der Geborgenheit löst. Dieser Prozess beginnt frühestens, wenn es ein halbes Jahr alt ist, und er geht von seiner eigenen Initiative aus. Die Eltern begleiten ihr Kind darin mit Verständnis und stetiger Zuwendung, um ihm Erlebnisse des Verlustes und der Entbehrung möglichst nicht zuzumuten.

    Auf diese Weise kann die Zeit des allmählichen Abstillens sehr viel länger sein als die des Vollstillens. Mutter und Kind durchleben eine Phase des Teilstillens oder minimalen Stillens, die körperlich kaum noch erhöhte Anforderungen an die Mutter stellt, dem Kind aber enormen emotionalen Schutz bietet.

    Der Abstillprozess verläuft so langsam, daß sich die Brust mühelos an den geringer werdenden Bedarf des Kindes anpasst. Damit entstehen der Mutter kaum die Probleme wie Milchstau, ständig milchtropfende Brüste oder schmerzhafte Schwellungen, die so häufig bei massiv gedrosselter Milchentnahme auftreten.

    geschrieben von: Dagmar Lützenkirchen

    Foto von: © ManEtli – Fotolia.com

    Kategorien: Babys Entwicklung

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