Mutterpass: Eine Erfolgsgeschichte in blau

Krankenkassen kommen für Vorsorge, Entbindung und Nachsorge auf.

    Die »Neue Apotheken Illustrierte« blickt im Gespräch mit Dr. Christian Albring, Frauenarzt und Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte e.V., auf die vergangenen viereinhalb Jahrzehnte Mutterpass zurück.

    45 Jahre Mutterpass bezeichnen Sie als Erfolgsgeschichte. Warum?

    Albring: Frauenärztinnen und Frauenärzte setzen sich seit Jahrzehnten für die Versorgung von Schwangeren und ihren ungeborenen Kindern ein. Mit Erfolg: 1961 kam der Mutterpass in die Arztpraxen. Seitdem gingen die Sterbefälle bei werdenden Müttern und ihrer Kinder um ein Vielfaches zurück.

    Was hat sich mit dem Mutterpass geändert?

    Albring: Über die Jahrzehnte hat sich die Versorgung von Schwangeren grundlegend geändert. In den 60er Jahren erlebten viele Frauen eine Schwangerschaft, ohne dass es auch nur eine Ultraschallaufnahme von ihrem Kind gab. Das heißt, bis zum Tag der Geburt hatte die werdende Mutter keinerlei Anhaltspunkte, ob ihr Kind sich normal entwickelt hat oder nicht.

    Natürlich kann dies auch heute niemand mit letzter Sicherheit behaupten. Doch das jetzige medizinische Wissen sorgt dafür, dass wir viele Erkrankungen bereits vor der Geburt behandeln oder ausschließen können und sehen, ob sich das Kind normal entwickelt.

    Hängt diese positive Entwicklung nicht mit dem medizinischen Fortschritt zusammen?

    Albring: Sicherlich hängt die Tatsache, dass es heute zu weniger Todesfällen kommt, mit dem Fortschritt zusammen. Die Frauenärzte in Deutschland nehmen neue medizinische Möglichkeiten kritisch unter die Lupe.

    Erweisen sich diese Untersuchungen als sinnvoll, kämpfen wir darum, dass sie ihren Weg in den Mutterpass finden und die Krankenkassen die Kosten dafür übernehmen. Von ihnen profitiert dann jede Schwangere, und nicht nur die, die es sich finanziell leisten kann.

    Welche Vorsorgeuntersuchungen sollte eine schwangere Frau absolvieren?

    Albring: Die im Mutterpass aufgeführten Untersuchungen sichern eine rundum gute Versorgung der Schwangeren. Nur bei außerordentlichen medizinischen Verdachtsmomenten kann das ein oder andere zusätzliche Diagnoseverfahren sinnvoll sein.

    Zusätzliche Leistungen, deren Kosten die Patientin selbst übernehmen muss, sollten in der Regel nur nach eingehender Prüfung und individueller Beratung durch die Frauenärztin beziehungsweise den Frauenarzt erfolgen.

    Was bringt die Zukunft für den Mutterpass?

    Albring: In den vergangenen Jahrzehnten gelangten viele wichtige, leider aber nicht alle sinnvollen Untersuchungen in den Vorsorgekatalog für Schwangere. So arbeiten wir zurzeit daran, dass die Krankenkassen die Untersuchung zum Schwangerschaftsdiabetes in den Mutterpass aufnehmen. Gleiches gilt für die Diagnose der Toxoplasmose, einer Infektionskrankheit, die das Risiko für Fehlgeburten und Missbildungen erhöht.

    Bisher gehört beides zu den Leistungen, die eine Schwangere selbst zahlen muss. Mit der Einführung des Mutterpasses in elektronischer Form möchten wir besser auf die Daten unserer Patientinnen zurückgreifen können, damit im Ernstfall schnellstmöglich alle Mutter und Kind betreffenden Informationen zur Verfügung stehen.

    geschrieben von: Neue Apotheken Illustrierte

    Foto von: © RioPatuca Images – Fotolia.com

    Kategorien: Schwangerschaft-Geburt

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